Intern
    Institut für Sportwissenschaft
    Forschungsfeld 2: Sportpädagogik & Lehrkunst

    Kämpfen - lernen, Gewaltprävention und soziales Lernen

    Das Gewaltthema ist gegenwärtig ebenso aktuell wie die drängenden Fragen nach den Möglichkeiten der Gewaltprävention offen bleiben. Im Sport wird in diesem Zusammenhang ein gewisses Wirkungspotenzial vermutet. Dabei scheinen die einschlägigen motorischen und zwischenmenschlich-sozialen Anforderungen des Kämpfens und der Kampfsportarten ganz besonders dafür prädestiniert zu sein, Haltungen herauszubilden und Kompetenzen zu entwickeln, die dazu geeignet scheinen, den Umgang mit überschüssiger Energie, Gewaltbereitschaft, Aggressionen und anderen „Irrungen“ in eine konstruktive, erzieherisch gewünschte Richtung zu wenden.

    Diese Vermutung bringt uns geradewegs in die Sphäre der Sporterziehung, denn angesichts der zunehmenden Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen und mit Blick auf die traurigen Momente diverser Eskalationen von Gewalt in der Schule interessieren die Methoden und Möglichkeiten der Gewaltprävention im Sport ganz besonders. Im Kämpfen und den Kampfsportarten bieten sich nahe liegende Möglichkeiten die Grenzen des eigenen Körpers herauszufinden. Dabei werden die Kraft und Geschicklichkeit der Kämpfer immer im Zuge eines dialogischen Prozesses mit einem Partner entfaltet. Dabei relativiert der Kampfpartner jeden Krafteinsatz, jede Technik und jede Strategie seines Gegenüber. Er provoziert oder kontert Angriffe und versucht auf diese Weise nicht nur seinen eigenen (sicheren) Standort, sondern auch den des Partners jederzeit in den Griff zu bekommen. Diese Aufgabe gilt es während jeder Situation des Kämpfens variabel herauszufinden, weshalb sich Kämpfer auf ihre (Körper-)wahrnehmung und sensible Kraftentfaltung verlassen und diese permanent schulen müssen. Die dabei an den Tag gelegte Sensibilität muss sich immer auch auf den Körper und das Handeln des Partners beziehen, weshalb wir das Kämpfen auch als Möglichkeit verstehen können den Anderen und Fremden zu begegnen und ihn hautnah kennen zu lernen. Derartige Vermutungen zur Sachstruktur des Kämpfens wecken die wissenschaftliche Neugierde der Sportpädagogik. Wir wollen herausfinden wie genau die oben angedeuteten Sachstrukturen ausschauen und wie sie zusammenhängen. Dabei interessieren wir uns vor allem für die Analyse der aus pädagogischer Sicht relevanten Sachstruktur des Kämpfens, um sie für die Belange der Gewaltprävention einordnen und fruchtbar machen zu können.

    Der Forschungszusammenhang ist in zwei Teilprojekte differenziert. Wir untersuchen einerseits die gewaltpräventiven Funktionen des „Kämpfen – lernens“ in der Schule und konzipieren darüber hinaus in einer zweiten Studie ein Interventionsprogramm für gewaltauffällig gewordene Jugendliche, die mithilfe des „Kämpfen-Themas“ in den Bereichen Empathie, Sozialverhalten, Körpererfahrung, Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit betroffen gemacht werden.

    Leitung des Projektzusammenhangs

    Koordination des Projektzusammenhangs

    Thomas Leffler

    Judenbühlweg 11
    97082 Würzburg / Raum 32
    Telefon: (+49) 0931/31-88722
    thomas.leffler@uni-wuerzburg.de

    Teilprojekte

    • Kämpfen-lernen als Gelegenheit zur Gewaltprävention?! (Thomas Leffler)
    • Sozius-Projekt: Aufbau eines Netzwerks für Integration und Gewaltprävention in der Jugendsozialarbeit (Christoph Ritz)

    Leitfragen

    • Welche besondere Sachstruktur charakterisiert das Kämpfen und wo ließen sich dort einschlägige Bildungspotenziale ausmachen?
    • Verändert sich die Sachstruktur in verschiedenen Settings (Leistungssport, Schulsport, Sportunterricht...) bzw. muss die Sachstruktur dem Setting angepasst werden?
    • Wie wirkt das Kämpfen auf das Selbstkonzept?
    • Welche Empathieerfahrungen lassen sich im Kämpfen machen?
    • Wie erfahren Kämpfer Selbstwirksamkeit und welche Konsequenzen lassen sich hieraus in Hinblick auf die Konzeption von Bildungsprozessen ableiten?
    • Was ist Sozialverhalten und Soziales Lernen?
    • Welche Kernthemen kennzeichnen die Traditionen der Kampfkünste und des Kampfsports?
    Kontakt

    Institut für Sportwissenschaft
    Judenbühlweg 11
    97082 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-86501
    Fax: +49 931 31-87390
    E-Mail

    Suche Ansprechpartner

    Judenbühlweg 11